Nachgedacht Oktober 2026

Eine Betrach­tung des Monats­spruchs Okto­ber 2026


“Zur Frei­heit hat uns Chris­tus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wie­der das Joch der Knecht­schaft auf­le­gen!”
(Gal 5,1)


Lie­be Schwes­ter, lie­ber Bru­der,
bist Du frei? Nein, ich fra­ge damit nicht, ob Du gera­de im Gefäng­nis sitzt!!! Das ist nicht das The­ma des Monats­spru­ches. Ich fra­ge Dich, ob Du Dei­nen Glau­ben an Gott eher als Zwang oder als Befrei­ung emp­fin­dest?! Wenn Dich Dein Glau­be ein­engt, dann lade ich Dich herz­lich zum
Wei­ter­le­sen ein. Denn – eine grö­ße­re und wirk­sa­me­re Befrei­ung des Men­schen als die durch das Evan­ge­li­um gibt es nicht. Wenn Du and­rer­seits Dei­nen Glau­ben bereits als Befrei­ung emp­fin­dest, lade ich Dich eben­so zum Wei­ter­le­sen ein. Denn – auch und gera­de die christ­li­che Frei­heit ist
gefähr­det. Des­halb kann es nicht scha­den, über die­se Gefähr­dung und über wirk­sa­me Gegen­maß­nah­men Bescheid zu wis­sen.
Woll­te man einen Unter­ti­tel für die Bibel fin­den, dann könn­te der lau­ten: „Unter­wegs mit Gott“. In ganz vie­len Geschich­ten geht es um das Unter­wegs­sein, das meist mit einer Befrei­ung beginnt. So befreit Gott Abra­ham aus alten Abhän­gig­kei­ten und beruft ihn zum Vater des Vol­kes Isra­el. Eine lan­ge Rei­se beginnt. Abra­ham ist unter­wegs mit Gott. – Das Volk Isra­el gerät in Ägyp­ten in eine grau­sa­me Skla­ve­rei. Gott befreit sein Volk und führt es durch die Wüs­te. Isra­el ist unter­wegs mit Gott. – Der irdi­sche Jesus befreit Men­schen von Krank­hei­ten sowie bösen Abhän­gig­kei­ten und beruft sei­ne Jün­ger. Der auf­er­stan­de­ne Chris­tus befreit Men­schen von Sün­de, Tod und Teu­fel und beruft Chris­ten. Chris­ten sind unter­wegs mit Gott. – Dass wir noch unter­wegs sind – und noch nicht am Ziel, das mer­ken wir sehr oft in unse­rem Leben. Unter­wegs sein, das heißt auch: Es gibt Unbe­quem­lich­kei­ten, man muss immer wie­der neu auf­bre­chen, nichts bleibt wie es ist. Nir­gend­wo steht es kla­rer als in Hebrä­er 13,14: „Wir haben hier kei­ne blei­ben­de Stadt, son­dern die zukünf­ti­ge suchen wir.“
Die Bot­schaft unse­res Monats­spru­ches han­delt vom Beginn unse­res Unter­wegs­seins und von den Gefähr­dun­gen, die damit ver­bun­den sind. Wir sind: „Unter­wegs mit Gott – weil Gott uns befreit“: Das Volk Isra­el hät­te nicht unter­wegs sein kön­nen, wenn Gott es nicht aus der Skla­ve­rei in Ägyp­ten befreit hät­te. Wir wären nicht als Chris­ten unter­wegs, wenn Gott uns nicht die Frei­heit des Evan­ge­li­ums geschenkt hät­te. Wir wol­len uns jetzt drei Bibel­tex­te anschau­en, die von die­ser Frei­heit berichten:

  1. Jesus befreit
    →Text: Joh 8,31–36: 31 Da sprach nun Jesus zu den Juden, die an ihn glaub­ten: Wenn ihr blei­ben wer­det an mei­nem Wort, so seid ihr wahr­haf­tig mei­ne Jün­ger 32 und wer­det die Wahr­heit erken­nen, und die Wahr­heit wird euch frei machen. 33 Da ant­wor­te­ten sie ihm: Wir sind
    Abra­hams Kin­der und sind nie­mals jeman­des Knecht gewe­sen. Wie sprichst du dann: Ihr sollt frei wer­den? 34 Jesus ant­wor­te­te ihnen und sprach: Wahr­lich, wahr­lich, ich sage euch: Wer Sün­de tut, der ist der Sün­de Knecht. 35 Der Knecht bleibt nicht ewig im Haus; der Sohn bleibt ewig.
    36 Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirk­lich frei. Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirk­lich frei!!! Die­ser Satz ist ein „Grund-Satz“ des Glau­bens. Jesus Chris­tus macht Dich frei. Er befreit Dich von Zwän­gen und Abhän­gig­kei­ten. Er gibt Dir die Mög­lich­keit, Dei­ne Schuld los­zu­wer­den und schenkt Dir ewi­ges Leben. – Eine Aus­sa­ge die­ses Sat­zes ist mir beson­ders wich­tig: Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirk­lich frei! Wenn es eine wirk­li­che Frei­heit gibt, dann gibt es auch eine schein­ba­re Frei­heit. Die­se schein­ba­re Frei­heit stre­ben heu­te vie­le Men­schen an. Mir sag­te kürz­lich ein älte­rer Mann: „Du brauchst nur genü­gend Geld im Leben, dann bist Du frei und kannst machen, was Du willst.“ Das mag für eine bestimm­te Zeit im Leben schon gül­tig sein, aber „das letz­te Hemd hat kei­ne Taschen.“ Wenn Du stirbst, nützt Dir Dein Geld über­haupt nichts mehr. Die wirk­li­che Frei­heit hast Du nur in der Gebun­den­heit an Gott. – Aber was ist eigent­lich „Frei­heit“? Nun, ein Fisch hat sei­ne
    Frei­heit nur in der Gebun­den­heit an das Was­ser. Ver­lässt er das Was­ser, dann ist er nicht mehr frei. Ein Mensch hat wirk­li­che Frei­heit nur in dem Lebens­raum, der „Frie­den mit Gott“ heißt. Hast Du Frie­den mit Gott, hast Du Ver­ge­bung der Schuld, dann bist Du dort, wo Du Dei­ner Bestim­mung
    nach hin­ge­hörst – im ewi­gen Leben, dem selbst der Tod als Ende Dei­ner irdi­schen Exis­tenz nichts mehr anha­ben kann. Die­sen Frie­den mit Gott schenkt Dir Jesus Chris­tus, der für Dich gelebt hat, für Dich gestor­ben ist und für Dich wie­der­auf­er­stan­den ist! Wenn Dich nun der Sohn frei macht, so bist Du wirk­lich frei und hast allen Grund dazu, Gott für die­ses gro­ße Geschenk zu dan­ken, ihn zu loben und zu preisen.
  2. Frei­heit ist gefähr­det
    →Text: Gal 5,1–4: 1 Zur Frei­heit hat uns Chris­tus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wie­der das Joch der Knecht­schaft auf­le­gen! 2 Sie­he, ich, Pau­lus, sage euch: Wenn ihr euch beschnei­den lasst, so wird euch Chris­tus nichts nüt­zen. 3 Ich bezeu­ge aber­mals einem jeden, der sich beschnei­den lässt, dass er das gan­ze Gesetz zu tun schul­dig ist. 4 Ihr habt Chris­tus ver­lo­ren, die ihr durch das Gesetz gerecht wer­den wollt, und seid aus der Gna­de gefal­len. Die wirk­li­che Frei­heit, die Gott Dir schenkt, ist gefähr­det! Die größ­te Gefähr­dung die­ser Frei­heit kommt nicht von außen, vom Gesell­schafts­sys­tem, von den äuße­ren Umstän­den, son­dern von tief innen! Wenn Dich das Evan­ge­li­um erreicht, wenn Dich Chris­tus wirk­lich frei machen will, dann trifft er in Dir auf einen star­ken Geg­ner. Die­ser Geg­ner ist Dei­ne „natür­li­che Reli­gio­si­tät“, die das Heil an der eige­nen Leis­tung, Fröm­mig­keit und Glau­bens­kon­se­quenz fest­macht. Im Sozia­lis­mus hieß es: „Uns aus der Knecht­schaft zu erlö­sen, müs­sen wir schon sel­ber tun.“ Die natür­li­che Reli­gio­si­tät sieht das ähn­lich. Sie sagt: „Du bist für Dein Heil sel­ber ver­ant­wort­lich!!!“ – Übri­gens war das auch das Pro­blem der Gala­ter, die, nach­dem sie zum leben­di­gen Glau­ben an Chris­tus gekom­men waren, wie­der einer zer­stö­re­ri­schen Gesetz­lich­keit auf dem Leim gin­gen. Das Cre­do die­ser Gesetz­lich­keit lau­te­te „Chris­tus und …“! Chris­tus und die Beschnei­dung, Chris­tus und die Ein­hal­tung der alten Regeln, Chris­tus und … all das, was am Kreuz eigent­lich bereits über­wun­den war! Durch die Hin­ter­tür hol­te die Gesetz­lich­keit das wie­der her­ein, was Jesus ent­mach­tet hat­te. Pau­lus bringt die­se Tat­sa­che auf die Pal­me: „Wenn ihr euch beschnei­den lasst, so wird euch Chris­tus nichts nüt­zen.“ Das wäre ja genau­so gewe­sen, wie wenn das Volk Isra­el nach der Befrei­ung aus Ägyp­ten wie­der umge­kehrt wäre – zurück zu den „Fleisch­töp­fen Ägyp­tens“. Dann wäre es aus gewe­sen mit der Frei­heit, aus mit dem „Unter­wegs­sein mit Gott.“ Auch hier kam die Gefähr­dung der Frei­heit nicht von außen. Die Ägyp­ter hat­ten die Ver­fol­gung ja längst auf­ge­ge­ben! Die Gefähr­dung kam von innen – mit­ten aus dem befrei­ten Volk: Mur­ren, Kla­gen, Unzu­frie­den­heit etc. Mose konn­te die Rück­kehr des Vol­kes in die Skla­ve­rei ver­hin­dern. Kann auch Pau­lus die Rück­kehr der Chris­ten in die alte Gesetz­lich­keit ver­hin­dern? Ja und Nein! Nein – dort wo Du viel zu klein von Gott, sei­ner Ver­ge­bung und Lie­be denkst. So wie die Sün­de holt Dich mit der Gesetz­lich­keit auch die natür­li­che Reli­gio­si­tät immer wie­der ein! Aber – über­all dort, wo Du Pau­lus liest und dem Wort Got­tes glaubst, wirst Du auch von der wirk­li­chen Frei­heit lesen, die Gott Dir in Chris­tus schen­ken will. Und wo die­se Frei­heit Dir wert­voll wird, die Frei­heit des Evan­ge­li­ums, wirst Du Dich nicht nach einer fal­schen Gesetz­lich­keit zurück­seh­nen. – An einer Stel­le ist die Gefähr­dung der evan­ge­li­schen Frei­heit beson­ders groß, näm­lich dort, wo Du sagst: „Mei­ne Schuld ist so groß, die kann mir Gott gar nicht ver­ge­ben!“ Gott kann nicht nur, er will es auch! Er will Dir die
    kom­plet­te Schuld Dei­nes Lebens ver­ge­ben, so groß sie auch immer ist. Nimm doch ein­fach die fol­gen­de Lied­aus­sa­ge ernst und freue Dich dar­über: „Er warf uns­re Sün­den ins äußers­te Meer, kommt betet den Ewi­gen an.“ – Übri­gens, der Apos­tel Johan­nes sieht das genau­so wie Pau­lus. Er schreibt, wenn uns unser Herz anklagt, dann sol­len wir nicht auf unser ankla­gen­des Herz hören,
    son­dern auf Got­tes Zuspruch (sie­he 1. Johan­nes 3,19.20). Diet­rich Bon­hoef­fer meint ange­sichts unse­rer gefähr­de­ten Frei­heit: „Nicht unse­rer Hoff­nun­gen wer­den wir uns einst­mals zu schä­men haben, son­dern unse­rer ärm­li­chen und ängst­li­chen Hoff­nungs­lo­sig­keit, die Gott nichts zutraut, die in fal­scher Demut nicht zugreift, wo Got­tes Ver­hei­ßun­gen gege­ben sind.“
  3. Lie­be ist das Ziel der Frei­heit
    →Text: Gal 5,6: … in Chris­tus Jesus gilt weder Beschnei­dung noch Unbe­schnit­ten­sein etwas, son­dern der Glau­be, der durch die Lie­be tätig ist.
    Als Gott sein Volk aus der ägyp­ti­schen Skla­ve­rei befrei­te, tat er es mit dem Ziel, das Volk ins Gelob­te Land zu füh­ren. Als Gott den Men­schen die­ser Erde sei­nen Sohn schenk­te und mit dem Kreuz einen Ort der Befrei­ung gab, tat er es mit dem Ziel, die Men­schen in die Frei­heit des ewi­gen
    Lebens zu füh­ren. Das ewi­ge Leben wird erst in der neu­en Welt Got­tes offen­bar wer­den. Aber es will sich schon im Hier und Jetzt in Dei­nem Leben äußern, und zwar in Glau­be, Hoff­nung und Lie­be. – Wenn ich jetzt sage, Gott befreit Dich von der Skla­ve­rei der Schuld, um Dich in das „Land sei­ner
    Lie­be“ zu füh­ren, klingt das viel­leicht etwas platt, aber es ent­spricht genau der Bot­schaft von Pau­lus. Mar­tin Luther sagt es mit Wor­ten, die ich gar nicht oft genug hören kann: „Das Wun­der des Glau­bens steht dar­in, dass Chris­tus mir die Sor­ge um mich selbst aus der Hand nimmt, so dass
    ich die Hän­de frei­hab´ zu hel­fen­der Lie­be dem Nächs­ten zugut. Der Glau­be lebt sich in der Lie­be aus.“
    Gott schen­ke und erhal­te Dir die Frei­heit, die Lie­be, den Glau­ben, die Hoff­nung und das ewi­ge Leben, Dein Gerd Wendrock
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